4. September 2006 · 15:03

11 Tipps für Politiker-Weblogs

In Deutschland gibt es heute noch nicht viele Politiker, die in der Blogosphäre und darüber hinaus anerkannte Weblogs schreiben. Verschiedene Versuche von Parteien, deren Jugendorganisationen und von Einzelkandidaten in vergangenen Wahlkämpfen haben zu unterschiedlichen Ergebnissen und Erfahrungen mit der neuen Kommunikationsform geführt.

Von Politikern wird heute wegen der Medienvielfalt erwartet, sich mit zahlreichen und immer neuen Kommunikationsmöglichhkeiten auseinandersetzen. Es ist für sie eine Herausforderung, die jeweiligen Spezifika in nur kurzer Zeit zu verstehen und die neuen Medienformate dann in die eigene Arbeit einzubeziehen. Gerade das Schreiben eines authentischen Weblogs lässt sich nur mit längerfristiger eigener Erfahrung in der Blogosphäre erlernen.

Wir möchten Politikern, die ein Weblog schreiben oder sich mit dem Gedanken tragen, ein Weblog zu starten, ein paar Tipps geben – wissend, dass die Beratung nicht vor dem Sammeln eigener Erfahrungen schützen kann und soll. Unsere Tipps sind in der Blogosphäre inzwischen weit verbreitetes Allgemeingut. Einige mögen auch völligen Neulingen offensichtlich erscheinen. Wir haben in verschiedenen Weblogprojekten aber erlebt, dass die tatsächliche Umsetzung häufig die wirkliche Herausforderung darstellt. Überprüfen Sie daher zuvor genau, ob Sie die Tipps ernsthaft und authentisch befolgen wollen. Denn: Ein Durchmogeln wird in der Blogosphäre schnell aufgedeckt und enttarnt. Seien Sie also ganz Sie selbst!

Die neuen Kommunikationschancen, die sich der Politik durch Weblogs und die Blogosphäre bieten, sind umfangreich und reizvoll. Dennoch raten wir von einem "Einfach-mal-drauf-los-schreiben" ab und empfehlen, sich zunächst durch (regelmäßiges) Lesen und Verfolgen der Diskussion in anderen Weblogs in der Blogosphäre zu akklimatisieren. Danach sollten sie in den verfolgten Weblogs durch eigene Kommentare an der Diskussion teilnehmen und ein Gefühl für den Diskussionsstil und die Umgangsformen bekommen. Unser Vergleich: Sie würden nicht in einen Raum mit Fremden, in dem seit Stunden über ein ihnen noch nicht bekanntes Theme diskutiert wird, mit seinen Einlassungen auf die Bühne platzen und erwarten, dass Sie anschliessend als Gesprächspartner ernst genommen werden. Das gilt auch für die Blogsphäre.

Die Schlüssel zum erfolgreichen Bloggen für Politiker haben drei Grundlagen:

  1. Befassen Sie sich intensiv mit Ihren Lesern und lesen Sie deren und andere Weblogs.
  2. Halten Sie Ihr Weblog IMMER frisch und aktuell. Nur wenn Ihr Beiträge spannend für Ihre Leser sind, können Sie ihre Leserschaft auf- und vor allem ausbauen. Beachten Sie, dass Beiträge, die Sie selber spannend finden, nicht unbedingt auch bei Ihrer Leserschaft auf Interesse stoßen. Nur das Interesse Ihrer Leser beschert Ihnen neue Leser – über Mundpropaganda.
  3. Geben Sie Ihren Lesern also immer einen guten Grund, warum Sie wieder und wieder in Ihrem Weblog lesen sollten, darüber selber berichten und neue Leser hinzuziehen.
11 Tipps, die Sie beachten sollten:
1 Sagen Sie was Sie denken

Blogger haben eine eigene Meinung, sonst würden sie kein eigenes Weblog schreiben. Und die Leser von Weblogs erwarten auch genau das. Zwar ist es vollkommen in Ordnung und sogar angebracht, Sachverhalte mit journalistischer "Objektivität" zu schildern. Die sachliche Darstellung sollte aber noch im selben Beitrag noch von Ihnen mit Ihren eigenen Gedanken kommentiert und eingeordnet werden. Dabei zählt Ihre eigene, originäre Meinung und Denke und die kann und soll ganz individuell sein. Wer liest schon gerne den langweiligen Mainstream?

Für Weblogs von Politikern gilt ganz besonders: Achten Sie darauf, nicht die "weichgespülte" Meinung der Partei oder die "Beschlusslage" oder "Sprachregelungen" aus Gremien als Ihre eigene Meinung darzustellen oder womöglich gestanzte Phrasen aus Pressemitteilungen und Pressestatements in die eigene Meinungsäußerung in Ihrem Weblog zu übernehmen. Sie können zwar deutlich machen, was "Linie der Partei" ist, aber vor allem sollten Sie schreiben, was Sie darüber denken und sich damit kritisch – durchaus auch positiv und bejahrend – auseinandersetzen. Damit geben Sie auch Kritikern Raum, sich in den Kommentaren ernsthaft mit den sachlich dargestellten Positionen zu beschäftigen. 

2 Wecken Sie Interesse

Ob Leser Beiträge in Ihrem Weblog lesen oder nicht, hängt von der Überschrift und den ersten beiden Abschnitten ab. Danach entscheiden die Leser – mehr unterbewußt als bewußt – ob die den Rest des Beitrags auch noch lesen. Daher kommt es auf Headline und die beiden ersten zwei Abschnitten an: Locken Sie damit die Leser weiter zu lesen. Humor, verspielte Formulierungen und außergewöhnliche und verrückte Überschriften eignen sich gut, um die Leser zu binden und hre Aufmerksamkeit einzufangen. Wenn es sich bei Ihrem Beitrag um ein absolut aktuelles Thema handelt, schaffen Sie dies oft schon mit einer treffenden Überschrift. Die Erfahrung sagt: Beiträge mit interessanten und einladenden Überschriften werden viel häufiger vollständig gelesen und erhalten mehr Kommentierungen durch Leser.

Versuchen Sie in den ersten beiden Absätzen den Lesern einen Kurzüberblick über Ihren Beitrag und Ihre Position zu geben. Lassen Sie die Leser schon hier daran teilhaben, worüber Sie persönlich nachdenken und schreiben. Zum Ende des zweiten Absatzes sollten die dann den Text so formulieren, dass die Leser animiert sind, auf den "weiter…"-Button zu klicken und den vollständigen Beitrag zu lesen.

Aus Beobachtung der Weblogs der verschiedenen Parteien während der letzten Wahlkämpfe ist bekannt, dass besonders Beiträge mit langathmige Überschriften wie "Der Generalsekretär der XYZ-Partei nimmt zu Äußerungen von Abgeordneten der ABC-Partei Stellung" keine Leser finden. Unser Rat: Legen Sie Politik-Floskeln und Partei-Jargon ab und schreiben Sie so, wie Sie mit anderen Menschen – am Kaffeetisch oder bei einem Bier an der Bar – sprechen würden. Weblogbeiträge sollen im Kern die Initialzündung für Gespräche sein. Dabei kommt es besonders auf den guten Gesprächseinstieg an. Geht der schief, kommt das Gespräch nicht zu stande und die potenziellen Teilnehmer suchen sich andere Themen oder Gespächspartner. Ihre Strategie muss aber sein, die Leser an Ihren Weblog zu binden und mit Ihnen ein Gespräch beginnen!

3 Formulieren Sie natürlich

Viele Leser von Weblogs lesen Beiträge nur ungern, wenn Sie formal oder offiziell formuliert sind. Genau so, wie man Ihnen im Gespräch anmerkt, ob Sie einen auswendig gelernten Text aufsagen oder eigenständig und spontan formulieren, merkt man dies auch Ihren Beiträgen in Ihrem Weblog an. Weblog-Leser möchten das Gefühl einer "ehrlichen" Sprache haben und reagieren sehr sensibel auf den Ton Ihrer Beiträge. Sie wollen mit "echten" Menschen kommunizieren und erwarten daher auch eine natürliche und authentische Sprache. Ebenso erwarten Leser von Weblogs oft, von den Autoren der Beiträge mehr über ein Thema zu erfahren, als sie bereits selber wissen. Dabei möchten Sie aber nicht von "oben herab" behandelt und belehrt werden. Häufig teilen die Leser von Weblogs die Grundtendenz der Meinung, die sie in ihren oft besuchten Weblogs lesen können.

4 Laden Sie zum Dialog ein

Ihre Beiträge sollten immer zum Dialog einladen. Interessiert Sie die Meinung Ihrer Leser zu Ihren Beiträgen? Dann stehen Sie anschließend in den Kommentaren zur Diskussion zur Verfügung!

Wenn Sie Ihre Beiträge schreiben, stellen Sie sich am besten einen Leser vor, der Ihren Text in der Mittagspause oder vor dem zu Bett gehen liest. Er sucht nach pointierter, klarer und einfacher Sprache – und nach Kontroverse.

Weblogs sind ein Meinungs- und Gedanken-Austausch zwischen Ihnen und Ihren Lesern. Halten Sie die Diskussion offen und nehmen Sie an der Diskussion teil – nicht nur durch Ursprungsbeiträge, sondern auch durch eigene Kommentare zu anderen Diskussionsbeiträgen.

Weblogs eignen sich nicht besonders gut zur Bekanntgabe von Sachverhalten oder Entscheidungen. Die Mehrheit von Webloglesern erwarten nicht mitgeteilt zu bekommen, "was ist", sondern wünschen sich die Möglichkeit zur Teilnahme an einer wertvollen Diskussion, die vielleicht später zu einer Entscheidung führen kann. Daher brauchen Ihre Beiträge auch nicht alle Fragen eines Themas vollständig beleuchten und beantworten – auch wenn das in der Politik angeblich von Wählern immer erwartet wird. In Weblogs ist es eher kontraproduktiv, auf jeden Topf einen Deckel zu haben. Lassen Sie bewußt einfach auch mal bestimmte Teilaspekte offen – daraus kann sich auch eine Diskussion ergeben.

Für die Entwicklung einer dauerhaften Leserschaft Ihres Weblogs kann es gut sein, in Beiträgen auch Fragen zu stellen und einige Punkte zu einem Thema unbeantwortet zu lassen. Wenn die ersten Absätze Ihrer Beiträge "Türoffner" sind, die Leser einladen, weiterzulesen, sollten gerade die dann folgenden Absätze die Leser zum Austausch und zur weiteren Diskussion einladen.

5 Sein sie immer persönlich

Die Besucher Ihres Weblogs sind nicht nur Leser, sondern können und werden auf vielfältige Weise auf Ihre Beträge reagieren: Vielleicht antworten Sie Ihnen direkt in einem Kommentar. Leser können Ihren Beitrag zum Anlaß nehmen, auf Ihrer eigenen Website oder in Ihrem eigenen Weblog von Ihrem Beitrag zu berichten. Sie führen dort die Diskussion über Sie und Ihre Themen fort. Oft werden Ihre Leser Bekannten, Freunden, der Familie und Verwandten Beiträgen, die Sie bei Ihnen gelesen haben, berichten: Beim Abendbrot, beim Sport, am Arbeitsplatz, beim Familienfest oder im Supermarkt – vorausgesetzt, Ihre Beiträge sind dafpr interessant genug.

Ihre Leser sind also nicht nur Empfänger von Nachrichten am Ende der Kommunikationskette. Sie sind in besonderer Weise eine neue Art von Multiplikatoren! Sie tragen Ihre Nachrichten weiter, wenn sie mögen, was sie lesen!

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Ihre Leser nicht nur zu Ihrem Weblog, sondern auch zu Ihnen eine Verbingung aufbauen. Sie fühlen sich nach einiger Zeit dem Weblog und dem Absender des Weblogs verbunden. Es mag pathetisch klingen, aber versuchen Sie, es sich so vorzustellen: Weblogs leben, atmen und sterben basierend auf dem Grad der Beteiligung der Leser und anderer Blogger. Daher sollte Ihr Weblog Persönlichkeit entwickeln. Persönlichkeit und Authentizität sind Schlüssel zum Erfolg bei dieser Art von Dialogen. Zwingend gehört dazu, dass Sie eine eigene Stimme und Note für die Beträge in Ihrem Weblog entwickeln, die als natürliche und authentische Art bei den Lesern wahrgenommen wird.

6 Vernetzen Sie sich über Links

Viel zu häufig finden sich in Weblogs von Parteien und Politikern lange Texte, die wie vom Polit-TÜV vorgeschrieben und dann publiziert wirken. Viel wirksamer, als lange eigene Beiträge zu verfassen, ist es, auf Beiträge anderer Website, von Nachrichtenportalen oder anderen Weblogs per Link zu verweisen, im eigenen Weblog zu zitieren kurz zu kommentieren. Ein paar gute Gründe: Sobald Sie Links setzen, beziehen Sie die Sites auf die Sie verweisen, in Ihre Community mit ein. Sie setzen so die Dialoge und den Austauch zu den dortigen Beiträgen fort und entwickeln die Diskussionsgemeinschaft weiter. Das erregt die Aufmerksamkeit anderer Blogger, die Weblogs auch immer aus Ausgangspunkt für die stetige Suche nach neuen Websites und Bloggern nutzen.

Durch diese Verlinkung untereinander entsteht erst die "Blogosphäre" und sie stellt die originäre Besonderheit des vernetzten Internets dar. Daran wollen Sie teilnehmen und partizipieren! Blogger verlinken intensiv und kommentieren ihrerseits in anderen Weblogs. Darüber hinaus beobachten Blogger vielfach auch die Statistiken und Zugriffe ihrer eigenen Weblogs. Sie finden so heraus, wer zu ihnen verlinkt, lesen die verweisenden Beiträge und greifen die Diskussion ihrerseits wieder auf. Beiträge und Themen, die Sie in Ihrem Weblog veröffentlichen finden über diese gegenseitige Verlinkung erst eine dialogorientierte Fortsetzung im Netz.

Unser Hinweis für Sie: Unter den Lesern von Weblogs finden sich vielfach auch Journalisten, die auf der Suche nach neuen Artikelideen Weblogbeiträge studieren und dortige Themen durchforsten. Mit etwas Geschick und Glaubwürdigkeit innerhalb der Blogosphäre kann es Ihnen so gelingen, die Bewertung von wichtigen tagespolitischen Themen über vernetzte Weblogs bis in die Kommentare von Tageszeitungen hinein zu beeinflussen. Besonders erfolgreich ist uns dies mit der SPD in Nordrhein-Westfalen bei den TV-Duellen im Landtagswahlkampf 2005 zwischen Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers gelungen. Die Kommentatoren der wichtigsten Tageszeitungen griffen die Bewertungen der Fernsehduelle durch die Weblogger, die die Duelle live kommentiert haben, auf und zitierten daraus. Durch die über Monate zuvor aufgebaute Glaubwürdigkeit und aktive Teilnahme an der Blogosphäre konnte die NRWSPD viele Blogger indirekt zu einer eigenen Bewertung des wichtigsten Medienereignisses im NRW-Wahlkampf bewegen.

7 Legen Sie Trackbacks zu anderen Weblogs

Die Vernetzung von Weblogs können Sie auf eine weitere Weise geschickt nutzen: Anstelle direkt in einem anderen Weblog zu kommentieren, können Sie auch in Ihrem eigenen Weblog einen Kommentar zum externen Weblogbeitrag schreiben und zum ursprünglichen Beitrag einen so genannten Trackback legen. Der Trackback fügt unter dem Beitrag im Ursprungsweblog einen Link auf Ihren Kommentar in Ihrem Weblog hinzu. Leser des Ausgangsbeitrags können so sehen, dass Sie die Diskussion des Beitrags in Ihrem eigenen Weblog fortsetzen. So kommen die Leser zu Ihnen in das Weblog und finden dort auch noch auf andere Beträge, die ihr Interesse wecken können.

Trackbacks sind also eine gute Möglichkeit, neue Leser für das eigene Weblog zu gewinnen. Aber achten Sie darauf: Die Leserschaft anderer Weblogs über Trackbacks "anzugraben" funktioniert nur so lange, wie Sie tatsächlich die Ursprungsdiskussion ernsthaft aufgreifen und weiterführen. Wenn Sie Trackbacks nur legen, um anderen Weblogs Leser abzujagen, merken das die Leser und die Autoren der anderen Weblogs sehr schnell. Ihr Trackback-Spam wird vermutlich nicht ohne (negative) Reaktion bleiben.

Unsere Warnung: Sie sollten vermeiden, durch zu offensives Trackbacken (Blogger sprechen von Trackback-SPAM) selber zum Thema anderer Weblogs zu werden und Ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen. Blogger verstehen dabei keinen Spass und teilen Ihre Meinung darüber auch offen mit. Dabei schrecken Sie auch nicht davor zurück, Trackback-Spammer an den Pranger zu stellen und durch den Kakao zu ziehen. Gehen Sie beim Legen von Trackbacks sensibel vor.

8 Andere Weblogs lesen und aufgreifen

Es klang zuvor schon an: Blogger schreiben nicht nur viel, sondern lesen auch viel. Erstellen Sie sich eine Linkliste mit Weblogs und lesen Sie diese regelmäßig. Sie gewinnen so einen Eindruck und Überblick, worüber sich die Menschen in der Blogosphäre unterhalten und was das Thema ist. Bringen Sie sich und Ihr Weblog in die stattfindende Konversation ein. Wenn es in der politischen Kommunikation heute heisst, dass Politiker dorthin gehen müssen, wo die Menschen sind und nicht erwarten können, dass die Menschen dort in kommen, wo die Politiker diskutieren, dann gilt dies besonders auch im Internet und speziell in der Blogosphäre. Also auf – lesen Sie selber regelmäßig Weblogs und kommentieren Sie dort! Wenn Sie ernsthaft und dauerhaft an der Blogosphäre teilnehmen wollen, muss Ihr Lesen von Weblogs die tägliche Zeitungslektüre ergänzen.

Wir meinen, dass Lesen der Startpunkt jeder Weblogstrategie sein muss. Wenn Sie selber keine Weblogs lesen, wird es Ihnen schwer fallen, die Blogosphäre und Weblogs als Instrument der politischen Kommunikation zu meistern. Ganz ehrlich: Wenn Sie keine Weblogs lesen, werden Sie nicht erfolgreich bloggen können.

9 Schnelligkeit ist Pflicht

Dinge bewegen sich schnell in der Blogosphäre. Eine Geschichte wird von Bloggern aufgegriffen und breitet sich dann in atemberaubender Geschwindigkeit aus. Sollten Sie mehr als 24 Stunden für einen Kommentar zu einem aktuellen Theme brauchen, verpassen Sie meistens die Gelegenheit, dass Ihr Beitrag von anderen aufgegriffen wird – Sie sind einfach zu spät dran. Es gibt viele Beispiele, bei denen "Breaking News" vormittags in einem Weblog berichtet wurde und um 20 Uhr bereits die Abendnachrichten im Fernsehen erreicht haben. Stehen Sie dabei nicht abseits!

Besonders in Zeiten eigener Krisen ist es wichtig, in einem eigenen Weblog offen und vor allem SCHNELL zu reagieren. Andere Weblogs werden rasend schnell melden, wenn Sie als Beteiliger auf die aktuellesten Entwicklungen einer Krise NICHT im eigenen Weblog reagieren und die Leser "schmoren" lassen, die Sie in guten Zeiten immer schnell, umfassend und zuvorkommend informiert haben. Ihre eigene Sprachlosigkeit breitet sich in der Blogssphäre und im Netz ebenfalls wie ein Lauffeuer aus und wird kommentiert werden – oft nicht zu Ihrem Vorteil.

10 Nobody is perfect

Großartig an der Blogosphäre ist, dass nicht immer alles perfekt sein muss. Die Mehrzahl der Blogger wollen an einer Sache, die sich aktuell und schnell entwickelt, teilzuhaben. Viele Blogger möchten Erster sein, neue Infos zu veröffentlichen. Damit riskieren Sie zwar, dass Sie mit der ein oder anderen Info falsch liegen können oder ihre Meinung noch nicht besonders fundiert ist. Während sich die Dinge aber weiterentwickeln, besteht in Weblogs die Möglichkeit, über "Updates" die neuesten Erkenntnisse nachzuliefern und damit ein Thema zu vervollständigen und zu ergänzen.

Inzwischen gehört es zum guten Stil von Bloggern fehlerhafte Texten bei Updates nicht zu löschen, sondern allenfalls durchzustreichen. So können Leser die tatsächliche Entwicklung einer Story tatsächlich nachvollziehen, weil nichts verschwindet. Die Leser erkennen, dass neue Erkenntnisse zu einer Veränderung der Darstelllung geführt haben. Texte nicht zu löschen, sondern stattdessen durchzustreichen oder mit einem Update zu korrigieren, trägt zur Glaubwürdigkeit der Autoren bei. Wenn sei in der Berichterstattung Fehler machen, lassen Sie die Beiträge nicht einfach verschwinden, sondern geben Sie die Fehler offen zu und stellen Sie den tatsächlichen Sachverhalt dar.

Auch wenn es schwer fällt: Gehen Sie mit Fehlern in Ihren Beiträgen immer offen um. Lassen Sie Dinge, die Sie als fehlerhaft erkannt haben, nie unkommentiert stehen. Irgendein Leser wird es merken und kommentieren. Leser merken auch, wenn Sie etwas löschen und werden Sie fragen, warum Beiträge verschwunden sind. Das Internet ist als Nachrichtenspeicher recht gnadenlos: In Suchmaschinen können gelöschte Artikel zum Teil noch nach Monaten und Jahren gefunden werden. Bedenken Sie: Ehrlichkeit währt auch hier länger.

11 Stellen Sie RSS-Feeds bereit

Die Beträge Ihres Weblogs sollten Sie auch als so genannten RSS-Feed bereit stellen. Ein RSS-Feed ist eine XML-Datei, die immer dann aktualisiert wird, wenn Sie einen neuen Weblogsbeitrag veröffentlichen. RSS-Feeds können von Ihren Lesern abonniert werden und in sogenannten RSS-Readern gelesen werden. In RSS-Readern – einer Software, die Weblogbeiträge aus RSS-Feeds aggregiert und chronologisch sortiert darstellt – stellen sich viel Blogger die Weblogs zusammen, die Sie regelmäßig lesen. Ein RSS-Reader ermöglicht, Weblogbeiträge zu lesen, ohne die eigentlichen Webseiten Ihres Weblogs ansteuern zu müssen.

Die gängigen Softwareprodukte oder Plattformen, mit denen Sie heute ein Weblog veröffentlichen können, bieten alle standardisierte RSS-Formate an.

RSS-Feeds sind wirksam: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass von uns betreute Weblogs häufiger über RSS-Reader gelesen werden, als direkt angesteuert. Wenn Ihr Weblog keine RSS-Möglichkeit bieten sollte, verschenken Sie viele potenzielle Leser, die Ihrerseits Multiplikatoren mit eigenen Weblogs und Websites sein könnten. Unter den Abonnenten von RSS-Feeds finden sich inzwischen viele Journalisten, die sich so auswählen, welche Weblogs und Inhalte sie abonnieren und regelmäßig verfolgen. Lassen Sie diese Chance nicht aus!

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Blog- Oliver
2 Kommentare zu diesem Artikel:

puh, ganz schön viel.

welcher politiker hat schon die zeit für eine lesestunde mit über 17.000 zeichen (ohne leerzeichen;-))?

Also wenn beck euch zu ausufernd ist, sollte man die ’11 regeln‘ (11 finde ich gut – schon wegen köln. ist die jeckenzahl!) nochmal straffen und pointieren. dann liest es vielleicht auch ein politiker – gelle?

Ansonsten macht weiter so!

heinz

Genau da liegt der Hund begraben: Die Politiker, die sich damit vorher NICHT auseinandergesetzt haben und einen „natürlichen“ und „entspannten“ Umgang mit Weblogs nicht drauf haben, haben ihre Weblogs in Wahlkämpfen frontal vor die Wand gefahren. Ganz vorne weg die CSU zur Bundestagswahl.

Wer gerne selber 17.000 Zeichen und mehr im eigenen Weblog kommunizieren würde, sollte auch bereit sein, vorher 17.000 Zeichen zu lesen. Dann geht’s auf Anhieb besser.

Und für die Schnellleser reichen auch die Zwischenüberschriften – die bei Becks langer E-Mail übrigens fehlen!

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